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Inside Abenteuer Vol. 2 – Ein Stuntman packt aus
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Inside Abenteuer Vol. 2 – Ein Stuntman packt aus

02.03.2026 Tim Schmidt Abenteuer erleben, Allgemein, Unsere Stories 0 Kommentare

Mit „Inside Abenteuer” nehmen wir euch diesmal mit dorthin, wo es knallt, brennt und trotzdem alles unter Kontrolle bleibt: auf das Trainingsgelände der Stuntcrew Babelsberg.

Hier entstehen Szenen für internationale Produktionen – unter anderem schon für Rapper Kendrick Lamar und Hollywood-Regisseur Roland Emmerich. Koordiniert werden sie unter anderem von Martin Lederer, seit über 20 Jahren Stuntprofi und langjähriger Erlebnispartner von Jochen Schweizer.

Was sonst Filmteams vorbehalten ist, macht Lederer heute erlebbar: Beim Action Stuntman Tag gibt er Einblicke in eine Branche, die meist im Hintergrund arbeitet – und zeigt, warum echter Nervenkitzel vor allem eines braucht: Kontrolle.

Eine Frau hängt an Seilen bei einem Stunt

Zwischen Asphalt und Adrenalin

Er springt von Dächern, fängt Feuer und bringt anderen bei, cool zu bleiben, wenn es knallt: Stuntkoordinator Martin Lederer zeigt, wie nah echtes Film-Feeling an der eigenen Komfortzone liegt – und warum ein guter Stunt nichts mit Wahnsinn, sondern mit Sicherheit und akribisch vorbereiteter Technik zu tun hat.

Wer Stuntleute für unverwüstliche Draufgänger hält, wird von Martin schnell eines Besseren belehrt: „Angst ist fehl am Platz”, sagt er. Und zwar nicht, weil Stunts vollkommen ungefährlich wären – sondern weil sie geplant, abgesichert und durchdacht sind. Angst sei hinderlich für die besonnene Ausübung von Stunts, Respekt brauche man aber. „Wir sind keine Vollidioten, die sagen, wir springen jetzt mal irgendwo vom Dach.” Jeder Stunt werde durchgerechnet, Gefahren bewertet, Sicherheitsmaßnahmen festgelegt. Erst wenn klar sei, dass niemand zu Schaden komme, werde er umgesetzt.

Vom „Cobra 11“-Moment zur Stuntcrew Babelsberg

Der Funke sprang früh über: Als Kind sah Martin den Pilotfilm von „Alarm für Cobra 11” – und war „sehr, sehr angefixt”. Gedreht wurde, wie es der Zufall wollte, direkt bei ihm um die Ecke in Berlin-Dreilinden. Er überredete seinen Vater, fuhr hin, schaute zu, kam ins Gespräch. „Das war so mein erster Kontakt.”

Der Einstieg in die Branche folgte dennoch erst Jahre später. Martin Lederer plante zunächst Events und leitete sogar eine eigene Agentur, bevor er schließlich mit Anfang 20 durch ein Praktikum im Eventbereich bei der Stuntcrew Babelsberg Fuß fasste. Aus sechs Monaten wurden 20 Jahre. Heute koordiniert er Stunts, plant Abläufe und sorgt dafür, dass Action nicht zufällig gut aussieht, sondern reproduzierbar sicher ist.

Warum Stuntprofi kein klassischer Lehrberuf ist

Wie man das erlernt? „Es gibt keine staatlich anerkannte Ausbildung”, sagt Martin. Private Schulen, Workshops und Trainings ja – aber der Beruf lebe von Skills, die man bereits mitbringt, Erfahrung und permanentem Lernen. Denn Technik verändert sich schnell, gerade Künstliche Intelligenz erweitert die digitalen Möglichkeiten enorm. Auch Sicherheitsstandards entwickeln sich kontinuierlich weiter. Stunts, die laut Martin früher sehr „einfach gemacht” wurden, lassen sich heute oft smarter und sicherer umsetzen – etwa durch Seilunterstützung oder Effekte, die später entfernt werden.

Stuntteams setzen sich zudem aus vielen verschiedenen Berufsgruppen zusammen: Mechaniker, Elektriker, Taucher, Leute mit medizinischem Know-how. „Es gibt bei uns fast keinen Skill, den man nicht braucht.”

Ein Mann sitzt auf einem Motorrad und hinter ihm ist Feuer

Sicherheit ist kein Hindernis

Ob Luftkissen, Matten oder Kartons: Vieles ist Erfahrungswissen, manches wird berechnet. Gerade bei sogenannten Rigging-Arbeiten, also bei Seil- und Flugsystemen, werde professionell geprüft. „Wir haben auch einen Ingenieur, der Konstruktionen berechnet und überprüft”, sagt Martin.

Was an Stuntproduktionen besonders gefährlich ist? Überraschenderweise ist es nicht das Feuer, nicht die Höhe, nicht der Schlag ins Gesicht. Es ist Hektik. „Das Schlimmste ist für uns Hektik am Set”, sagt Martin. Stunts werde am Set nicht so viel Zeit eingeräumt, wenn sich die Dreharbeiten nach hinten verzögern. „Wenn es so hektisch wird, dass man die Sicherheit nicht mehr garantieren kann, muss man abwägen – und auch einmal abbrechen.”

Helden hinter den Helden

Martin war bei großen Produktionen dabei – auch bei Musikvideodrehs, etwa für den international bekannten Rapper Kendrick Lamar. Martin Lederer koordinierte für den Dreh des Songs „Element” unter anderem eine Ohrfeige. Was recht simpel klingt, musste über dreißig Mal gedreht werden. Kann eine Szene in einem Take gedreht werden, spricht man vom sogenannten „Money Shot”. „Die Realität ist aber eine andere”, verrät Martin.

Im Rampenlicht steht ein Stuntman selten. Und das ist Absicht: Stunts sollen Schauspieler:innen glänzen lassen. „Wenn man es wegen des Fames macht, dann ist man halt an der falschen Adresse”, ist Martin überzeugt.  Etwas mehr Aufmerksamkeit für die umfangreiche Arbeit der Stuntprofis könnte es dennoch geben. In den USA werden Stunts mittlerweile sogar mit dem Taurus Award ausgezeichnet, das Pendant zum Oscar für Schauspieler:innen. Auch in Indien stünden Stunts an ganz anderer Stelle als hier in Deutschland.

Als persönliches Highlight nennt Martin die Arbeit an „Anonymous” des deutschen Regisseurs Roland Emmerich – Emmerichs einzigem Film, der in Deutschland gedreht wurde. Für Martin, der den Regisseur als großes Idol bezeichnet, war das ein besonderer Moment.

Eine Frau seilt sich von einem Turm ab

Filmset zum Anfassen: Der Action Stuntman Tag

Martin Lederer koordiniert jedoch nicht nur professionelle Filmproduktionen, sondern bietet auch Stuntworkshops für Amateure an. Beim Action Stuntman Tag (und dem Action-Wochenende für alle, die noch mehr Action wollen) geht es um Fallen, Rollen, Timing und Mindset. Der Ablauf ist nah dran am echten Set, nur ohne Kamera.

Mitmachen können nahezu alle: eine normale körperliche Verfassung reicht. Leistungsgefälle gäbe es laut Martin immer, dann wird eben angepasst: „Wir lassen niemanden zurück.”

Am häufigsten erlebt Martin den Moment, in dem jemand erst „Ich trau mich nicht” sagt – und dann doch über seinen Schatten springt. „Die meisten Menschen unterschätzen sich.” Und genau das ist doch der eigentliche Kick: nicht der Sprung, sondern das neue Selbstbild, mit dem man aus dem Workshop rausgeht. Ein Stunt ist für Martin am Set wie im Workshop dasselbe: geplant, sauber und vor allem sicher. Der Unterschied ist jedoch der Druck: Am Set fehlt oft Zeit, die Anspannung ist höher. Im Erlebnisformat bleibt mehr Raum fürs Lernen, fürs Wiederholen und fürs Wachsen.

Der Stuntman Action-Tag und das Action-Wochenende – Zwei Erlebnisse, die Hollywood-Feeling mit echter Persönlichkeitsentwicklung verbindet – sicher, professionell und mit maximalem Adrenalin-Faktor.

Die nächste Ausgabe von „Inside Abenteuer” folgt im März.

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Tim Schmidt

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